Anfang Juni hat sich eine junge Frau aus meiner Familie umgebracht. Sie war mit der Situation komplett überfordert und hat offenbar keinen anderen Ausweg gesehen. Jetzt frage ich folgendes: Wird dieses tragische Ereignis in den Medien thematisiert? Nein. Und es ist auch okay. Aber was wäre passiert, wenn die Mutter von drei kleinen Kindern an (oder mit) Corona gestorben wäre? Wahrscheinlich wäre der Fall in jeder Tageszeitung im Umfeld auseinander genommen worden.

Ich werde in der Kita meiner Kinder momentan ungewollt über jede Situation informiert, in der ein Kind abgeholt werden musste. Bauchschmerzen, wahrscheinlich wegen eines quer sitzenden Pups’ – Kind muss abgeholt werden und sofort werden alle anderen Eltern informiert mit dem latent vorwurfsvollen Hinweis, man solle bitte gut auf seine Kinder acht geben. Damit so etwas nicht passiert.

Apropos Kinder: Mit meinen beiden betrat ich kürzlich die Straßenbahn. Wir setzten uns hin. Eine ältere Frau uns gegenüber kramte daraufhin mühsam eine große Flasche Desinfektionsspray hervor und fing tatsächlich an, in einem Halbkreis die Luft um sich herum zu desinfizieren. Traurig. Aber viele hätten wahrscheinlich Verständnis gehabt und auf uns geschimpft, wie wir es wagen konnten, OHNE MASKE ein öffentliches Verkehrsmittel zu betreten. Ungeheuer wichtig ist der Schnutenpulli, wie er in Fachkreisen liebevoll genannt wird. Und der richtige Umgang, na ja, Hauptsache, man hat ihn umgeschnallt, oder? Um den möglicherweise marginalen Schutzeffekt zu erreichen, der von einer „Alltagsmaske“ ausgeht, müsste man folgendermaßen vorgehen: Hände gründlich mit Seife waschen. Anschließend die Maske druff. Und dann ist es sehr einfach. Nicht mehr anfassen. Vor dem späteren Abnehmen (nach möglichst kurzer Zeit, um die Keimzahl nicht in die Höhe schnellen zu lassen) wieder gründlich die Hände mit Seife waschen. Ach so, und insbesondere Kinder soll man immer wieder daran erinnern, dass sie sich unter keinen Umständen ins Gesicht fassen dürfen, während sie ihre Maske umgeschnallt haben. Das klappt bestimmt. Und was das möglicherweise mit einem Kind macht… Egal. Hauptsache, keine Viren gelangen in die Luft durch das Tragen der Maske. Genau wie es auch nicht schlimm ist, wenn ein Kondom Löcher hat. Und zäunt man seinen Garten mit Maschendraht ein, haben Mücken keine Chance mehr, einzudringen. So nämlich. (Grade sitze ich übrigens im Zug. Der Kontrolleur betrat den Waggon mit den Worten „Fahrkarten bitte und einmal die Masken aufsetzen!“) 

Das Verhalten der Menschen gleicht aus psychologischer Sicht einer kollektiven Angststörung, die mit zwanghaften Verhaltensweisen einhergeht. Heißt? Beispiel Waschzwang. Kommt gar nicht mal so selten vor. Einige der Betroffenen haben vielleicht sowieso eine erhöhte und irrationale Angst vor Infektionskrankheiten. (So wie momentan viele Menschen durch die medien- und politikgemachte Corona-Berichterstattung.) Sie waschen sich aus Angst vor möglicher Kontamination unverhältnismäßig oft und lange die Hände. (So wie viele Menschen jetzt.) Sie versuchen, Situationen zu vermeiden, in denen sie mit potentiellen Erregern in Kontakt kommen könnten. (So wie viele Menschen jetzt.) Sie – und das ist ein wichtiger Punkt – fühlen sich bestätigt durch ihr Verhalten. Subjektiv fangen sie sich nur deshalb nichts ein, weil sie sich entsprechend verhalten. Wenn es doch einmal passiert, heißt es für sie, dass wohl ein noch penibleres Vorgehen vonnöten ist. Maske vielleicht. Zwar haben viele der Betroffenen eine Einsicht in ihr übertriebenes Verhalten (wie viele Menschen momentan auch in das staatlich verordnete), aber es wird trotzdem aus Angst weiter geführt. Würde man einen Menschen glauben machen, man müsse nur oft und lange in die Hände klatschen, damit es nicht anfängt zu regnen, wird er sein Verhalten an den meisten Tagen im Jahr wohl bestätigt finden.

Mütter dürfen ihr Neugeborenes in diesen Zeiten teilweise nur per Video sehen, wenn sie positiv auf das Coronavirus getestet sind. Unabhängig davon übrigens, ob das Baby sich im Bauch der Mutter angesteckt hat oder nicht. Postnatales Zugrunderichten der Mutter-Kind-Bindung für 14 Tage. Und dieser Wahnsinn wird als „rührend“ bezeichnet. Ich wäre DURCHGEDREHT, wenn man mir eins meiner Kinder nach der Geburt aus so einem schwachsinnigen Grund weggenommen hätte. … In der Ukraine ist die Leihmutterschaft legal. Dort waren (und sind vielleicht immer noch) dutzende von Neugeborenen in einem Hotel „geparkt“ und dürfen aufgrund der Reisebeschränkungen nicht zu ihren Eltern gebracht werden. Was eine emotionale Qual für alle Beteiligten. Bleiben wir im Osten… In Tschernobyl brannte im April der Wald. Die Nachricht ging ziemlich unter im allgemeinen Corona-Wahn. Aber na ja, wir befinden uns schließlich laut Frau Merkel – Stand 27.5.20 – „immer noch am Anfang der Pandemie“. (Möglicherweise liegt das daran, dass wir eine allgemeine Immunität mit allen Mitteln verzögern.) „Man (die Deutschen?) habe durch sein Verhalten das Leben anderer Menschen gerettet und erst die allererste Phase hinter sich.“ Diese Warnung, gepaart mit der unterschwelligen Aussage, potentiell das Leben anderer Menschen zu gefährden, wenn man sich nicht an die verordneten Maßnahmen hält, ist in meinen Augen eine Unverschämtheit.

Man lässt sich herab zu Verhaltensweisen, die Kopfschütteln hervorrufen müssten, stattdessen aber von vielen Menschen zumindest hingenommen oder sogar unterstützt werden. Man setzt sich in Plexiglasboxen, um ein Konzert zu sehen, bei dem Mitsingen verboten ist. Man setzt sich eine Poolnudel auf den Kopf, um Abstand zu halten. Man folgt der Anweisung, sich Handschuhe anzuziehen, um eine Speisekarte zu berühren (selbst so erlebt), obwohl durch das Berühren der Handschuhe beim Herausholen und Anziehen die Aktion von vornherein zum Scheitern verurteilt ist.

Das alles lässt mich momentan oft verzweifeln.

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