In einem großen Fleischkonzern in NRW sind vor einiger Zeit neue Coronafälle aufgetreten. Wahrscheinlich hat jeder in Deutschland davon gehört. Was passiert ist, verwundert nicht. Natürlich haben Viren gute Bedingungen, wenn viele Gastarbeiter an einem kühlen Ort unter schlechten Hygienebedingungen dicht an dicht miteinander arbeiten und abends in ihre schlecht ausgestatteten Unterkünfte gehen. Das gilt für Coronaviren, aber ganz genauso für diverse andere. Nun gut. Was ist die Konsequenz? Tote sind meines Wissens bis heute nicht zu beklagen, obwohl über 1000 Menschen infiziert waren. Erstmal müssen alle Kitas und Schulen im Landkreis geschlossen werden. Natürlich. Und das, obwohl das Konzept der Schule in Coronazeiten mit heutigen angepriesenen pädagogischen Maßstäben eigentlich NICHTS, aber auch GAR NICHTS mehr gemein hat. Aber Kinder können sich ja nicht wehren. Man kann es mit ihnen also machen. Und das, obwohl selbst das Ärzteblatt einen ausführlichen Bericht veröffentlichte, in dem die Notwendigkeit vernünftiger Bildung für Kinder betont wurde und der nicht gerechtfertigte Umgang mit Schul- und Kitaschließungen in diesen Zeiten. Fast aus den Latschen gekippt war ich, als ich einen Artikel las, in dem stolz verkündet wurde, die erste Schule in Österreich hätte nun elektronische Abstandswarngeräte eingeführt. Das ist eine Ungeheuerlichkeit und wäre unter normalen Umständen nicht einmal als Aprilscherz durchgegangen.

Als ich die Information über die Fleischfabrik-Infektionen von einem Nebentisch aufschnappte, saß ich im Café und las einen interessanten Zeitungsartikel in unserer Lokalzeitung; mal wieder über die Ansteckungsgefahr, die von Kindern ausgeht. Beschrieben wurde eine Studie der Uni Heidelberg, die sich monatelang mit der zentralen Frage beschäftigt hatte, inwieweit Kinder „Schuld“ an der Verbreitung des Coronavirus’ sind. Prof. Debatin (67), Direktor der Uniklinik für Kinder- und Jugendmedizin Ulm, wird in dem Artikel (hier das ungefähre Pendant aus der „Zeit“) folgendermaßen zitiert: „Kinder sind weniger angesteckt als ihre Eltern und damit auch, soweit man das sagen kann, sicherlich nicht als Treiber der Infektion anzusehen.“ Tja. Aber natürlich werden, um auf die Konsequenzen der Infektionen zurück zu kommen, als erstes die Kinder nach Hause geschickt, die sich gerade wieder in Schule und Kita eingelebt hatten. Und ihre Eltern erneut vor die Situation gestellt, die Gratwanderung hinzubekommen zwischen Kinderbetreuung, Homeschooling und ihrem Job. Aber Herr Drosten hatte doch gesagt, dass Kinder so gefährlich sind! Ist also schon okay. Zwar war in Fachkreisen Kritik laut geworden an seiner eigenen Studie über die Gefahr, die von Kindern ausgeht. Aber statt diese Kritik sachlich weiter zu verfolgen, werden Medien angegriffen, die über die Kritik berichteten. Die Art und Weise der Kritik wird zerpflückt bis zum geht nicht mehr und die Kritik selbst darüber vergessen. Und Herr Drosten „überarbeitet“ seine Studie, um dann („Hokuspokus Fidibus; da habt ihr’s!“) weiter zu behaupten, Kinder seien Virenschleudern.

Wie auch immer… Warum stürzen sich alle auf die Kinder? Was ist mit den Bedingungen in der Fleischindustrie? Ja… Man müsse in diesem Bereich dringend alles überarbeiten. Es dürfe eigentlich kein Billigfleisch mehr geben. EIGENTLICH? Wir BRAUCHEN nicht so viel Fleisch. Es ist gesundheitsschädlich und zusätzlich aufgrund seines Herstellungsprozesses eine Katastrophe für die Umwelt. Den Gastarbeitern nützen ihre Werksverträge wohl auch nur bedingt. Einzig die Fleischlobby profitiert vom Vorgehen. Aber natürlich dauert es „jetzt in der Krise“ seine Zeit, bis Änderungen eingeführt werden. Es ist ja nicht so, dass die angesprochenen Probleme schon seit Jahren bekannt sind. Aber Arbeitsbedingungen und Umweltschutz besser zu machen… Nein. Lieber nicht. Ist zu anstrengend und eben irgendwie unpassend.

2 Kommentare zu „Fleisch und die drOstischen Maßnahmen

  1. Ich bin eben zufällig auf diesen Blog gestoßen. Ich weiß ja nicht, in welchem Paralleluniversum Sie leben, aber die Situation in der Fleischindustrie wurde in allen Medien, samt Sondersendungen im TV (inkl. Öffentlich-rechtlichen) stundenlang rauf und runter thematisiert. Es sind Gesetzesvorhaben auf dem Weg. Werkverträge zu verbieten, die Auflagen werden verschärft, etc. Das so darzustellen, als würde das alles übergangen grenzt an Demagogie.

    Man gewinnt beim Lesen hier ohnehin den Eindruck, dass Sie eher „Alternativmedien“ konsumieren.

    Dass Kinder nicht ansteckend sind, können Sie ja mal den Leuten in Israel erzählen. Wurden die Ausbrüche in Schulen in den von Ihnen bevorzugten Medien nicht rezipiert? Fast die Hälfte der neuen Ausbrüche war auf Schulen zurückzuführen.

    Die Situation ist leider nicht so einfach, wie Sie das anscheinend gerne hätten. Wünsch-dir-was, die Studien rauspicken, die einem in den Kram passen und alle anderen ignorieren, und einen Buhmann aufbauen löst das Problem nicht.

    Schon etwas verstörend, so etwas von einer angehenden Medizinerin zu lesen. Andererseits auch wieder nicht so verwunderlich, wenn man sich ansieht, wer sich auf „Hygienedemos“ so alles tummelt.

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    1. Hallo Janet!
      Trotz der Kritik danke ich Ihnen für Ihren Kommentar.
      Zur Situation der Fleischindustrie kann ich nur folgendes sagen: Wenn man wirklich wollte, könnte man die Situation schneller ändern, was DRINGEND notwendig wäre. Bisher sind, wie Sie richtig sagen, „Gesetzesvorhaben auf dem Weg“. Ich bin gespannt, wie lange es noch dauern wird, bis sich endlich etwas ändert, und in welcher Form das sein wird. Man sieht doch momentan, wie schnell Gesetze auf den Weg gebracht werden können, wenn man es wirklich möchte.
      Vom Vorwurf der Damagogie möchte ich mich gerne freisprechen. Ich äußere nur meine Meinung und bin immer darauf bedacht, niemanden anzugreifen oder aufzuhetzen. Dass meine Beiträge hin und wieder zynische Untertöne enthalten, sei doch bitte erlaubt.
      Was „Alternativmedien“ angeht… Wenn Sie sich ein wenig mit meinen Verlinkungen beschäftigen, werden Sie feststellen, dass sich meine Aussagen fast ausschließlich auf „gängige“ Medien beziehen. Doch selbst wenn das nicht der Fall wäre… Sind „Alternativmedien“ immer schlecht?
      Und wo wir schon bei Quellen sind… Was auch immer in Israel passiert ist. Erst kürzlich wurde in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung darüber berichtet, dass Kinder wohl eher als „Bremsklötze der Infektion“ fungieren (https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/corona-studie-an-schulen-kinder-eher-bremskloetze-der-infektion-16858827.html).
      Ich bin als angehende Ärztin einigermaßen informiert über Infektionskrankheiten. Dass sie manchmal tückisch sind, ob vom Coronavirus oder anderen Viren oder Bakterien oder oder ausgelöst, möchte ich keinesfalls abstreiten. Dass man Prävention betreibt und die Menschen aufklärt, ist aus meiner Sicht wichtig und notwendig. Mir geht es – und darauf weise ich immer wieder hin – um die VERHÄLTNISMÄSSIGKEIT der Maßnahmen, die aus meiner Sicht sehr viel mehr Schaden auf allen Ebenen anrichten als dass sie nutzen.
      Und abschließend: Dass sich auf „Hygienedemos“ genauso wie auf vielen anderen auch viele Spinner tummeln, die oft auch noch besonders laut und auffällig sind, ist leider eine Tatsache.
      Viele Grüße und danke noch einmal für Ihren Beitrag.
      Jenny

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